Faszination Archäologie - Mystische Routen rund um die Steinzeit
1: Archäologische Sehenswürdigkeiten. 2: Archäologische Erlebnisrouten. 3: Übersichtskarte. 4: Quellen | Literatur. 5: Sitemap. 6: Impressum.


Schalenstein „Hexenstein“**
bei Neerstedt, Gemeinde Dötlingen

Erlebnisroutenstation Nr. 11

Parkmöglichkeiten

Parkmöglichkeit: am Feldweg (ca. 5 m)




Öffentliche Verkehrsmittel

Öffentl. Verkehrsmittel: Weser-Ems-Bus, Linie 270 (Wildeshausen - Oldenburg), Station „Brake - Ziegeleiweg“, ab hier Ausschilderung folgen (ca. 1,5 km) Nordwestbahn Bremen – Osnabrück, Bhf. Brettorf (ca. 6 km)
Zugang für Rollstuhlfahrer

Rollstuhleignung: nein (keine Zuwegung innerhalb des Ackers, daher lediglich bei abgeerntetem Feld aus der Entfernung zu betrachten)
Gastronomie

Gastronomie: Gastronomie: Neerstedt (ca. 2 km)


Groß, alt und mysteriös ist er, der Hexenstein. Kein Wunder also, dass er ein beliebtes Ausflugsziel verkörpert. Wie die vielen anderen Gäste zuvor können Sie sich in einem Gästebuch verewigen, das am nahe gelegenen Rastplatz deponiert wurde.

Hexenstein

Hexenstein

Anfahrt

Radfahrer und Radfahrerinnen: Der „Hexenstein“ ist in die Routen 3 und 4 der archäologischen Erlebnisrouten „Faszination Archäologie“ eingebunden. Unsere als pdf-Dokumente erhältlichen ausführlichen Routenbeschreibungen führen Sie unmittelbar zu dem Schalenstein.
Sollten Sie mit dem PKW anreisen, fahren Sie bitte die L 872 von Wildeshausen Richtung Neerstedt und folgen ca. 1 km hinter Neerstedt der Ausschilderung.

Geschichte(n) eines Solitärs: Von irritierten Archäologen und webenden Hexen

Im Hochsommer ein wenig beschwerlich zugänglich, finden Sie den „Hexenstein“ inmitten eines Maisfeldes. Der riesige Findling aus rötlichem skandinavischem Granit beeindruckt durch seine Ausmaße (ca. 4,30 x 3,10 m) und wird daher auch der „brede Stehen“ (breiter Stein) genannt. Die sichtbare Höhe (1,20 m) lässt wohl nur einen Bruchteil der tatsächlichen Ausprägung erkennen, denn der Stein ist tief im Boden verankert. Zweifelsfrei ist der „Hexenstein zu den größten erratischen Blöcken (Findlingen) der Wildeshauser Geest zu zählen. Entgegen seines irritierenden ursprünglichen Namens – unter der Bezeichnung „brede steen“ subsumierte man früher Großsteingräber – handelt es sich beim „Hexenstein“ keineswegs um ein Megalithgrab, sondern um einen Solitärgranit.

Nicht nur sein ungewöhnliches Volumen erregt seit Generationen die Gemüter. Vor allem das Rätselraten um die ursprüngliche Funktion dreier großer und ca. 38 kleinerer Vertiefungen auf der Oberfläche bereitet den Forschern seit langem Kopfzerbrechen. Deutlich wurden diese, zumeist nur wenige Millimeter tiefen, so genannten „Schalen“ von Menschenhand geprägt – doch wieso? Nicht einmal deren Alter ließ sich bisher exakt ermitteln. Die meisten Archäologen datieren späte Jungstein- oder frühe Bronzezeit, wobei sie der Überzeugung sind, dass die Schalen im Laufe der Jahrtausende deutlich an Tiefe verloren haben müssen. Obwohl sich ähnliche Einkerbungen auch beim Deckstein der Bargloyer Steinkiste (47) und zudem wiederholt auch außerhalb der Wildeshauser Geest finden lassen, hat man noch immer keine zufriedenstellende Erklärung für die eigentliche Funktion jener Schalen parat.

Hexenstein

Hexenstein

Hexenstein, Blick auf die so genannten „Schalen“

Sicher scheint nur, dass die Sitte kultisch-rituellen Ursprungs ist. Während die einen mutmaßen, hier handele es sich unmissverständlich um Behältnisse für flüssige Opfergaben wie Blut oder Milch, zweifeln andere diese Theorie an. Denn delikaterweise finden sich die Einkerbungen auch auf senkrechten Flächen – etwa Tragsteinen von Großsteingräbern - und diese Vertikalelemente dürften kaum einer Flüssigkeit (außer Fett und Honig) Halt geboten haben. Noch umstrittener ist die Behauptung, die ohne erkennbare Systematik angeordneten Schalen seien als kartographische oder astronomische Darstellungen zu lesen.

Angesichts dieses Rätselratens in der Forschung nimmt es nicht Wunder, dass der „Hexenstein“ zu zahlreichen phantasievollen Geschichten animierte: Den einen war er begehrter Wohnsitz umtriebiger Erdhörnchen, die die „Schalen“ als Essnäpfe nutzten. Die anderen wussten sich zu erzählen, Hexen hätten den Stein für ein Treffen in der Johannisnacht auserkoren. Die dreiecksförmig angelegten drei größten Schalen seien daher nichts anderes als die Halterungsspuren eines Hexen-Spinnrades – daher der Name „Hexenstein“.

Besuchen Sie auch folgende archäologische Sehenswürdigkeiten in der Nähe:

Großsteingrab „Egypten“ (ca. 5 km)

Großsteingrab „Schießstand“ (ca.7k m)

Großsteingrab „Steenberg“ (ca. 8 km)

Großsteingrab „Gerichtsstätte“ (ca. 9 km)