Faszination Archäologie - Mystische Routen rund um die Steinzeit
1: Archäologische Sehenswürdigkeiten. 2: Archäologische Erlebnisrouten. 3: Übersichtskarte. 4: Quellen | Literatur. 5: Sitemap. 6: Impressum.


Großsteingrab „Heidenopfertisch“)***
Bei Engelmannsbäke, Gemeinde Visbek

Erlebnisroutenstation Nr. 51

Parkmöglichkeiten

Parkmöglichkeit: Parkplatz bei Engelmannsbäke (ca. 400 m)



Öffentliche Verkehrsmittel

Öffentl. Verkehrsmittel: Weser-Ems-Bus, Linie 264 (Ahlhorn – Wildeshausen), Station „Südsiedlung West / Wendeplatz“
Nordwestbahn Wilhelmshaven/Oldenburg – Osnabrück, Bhf. Ahlhorn (ca. 6,5 km)
Zugang für Rollstuhlfahrer

Rollstuhleignung: ja

Gastronomie

Gastronomie: Landgasthaus Engelmannsbäke (ca. 400 m)

Am Südufer der Engelmannsbäke, nur wenige Minuten entfernt vom berühmten "Visbeker Bräutigam", treffen Sie auf ein weiteres überregional bekanntes Kulturdenkmal, den "Heidenopfertisch". Uneingeschränkt kann gelten: Ihn sollte man besichtigt haben.

Großsteingrab

Großsteingrab "Heidenopfertisch", Blick von Nordwesten
Blick von Nordosten

Blick von Nordosten

Anfahrt:

Radfahrer und Radfahrerinnen: Der „Heidenopfertisch“ ist in die Routen 7 und 8 der archäologischen Erlebnisrouten „Faszination Archäologie“ eingebunden. Unsere als pdf-Dokumente erhältlichen ausführlichen Routenbeschreibungen führen Sie unmittelbar zum Großsteingrab.
Sollten Sie mit dem PKW anreisen, fahren Sie bitte über die B 213 (Ahlhorn – Wildeshausen), biegen Richtung Visbek ab und folgen der Ausschilderung „Steindenkmäler Engelmannsbäke“.

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Heidenopfertisch
Oben: rekonstruierter Grundriss
Mitte: Zustand z. Zeitpunkt der Bestandsaufnahme
Unten: Schnitt
(nach Ernst Sprockhoff, Atlas der Megalithgräber Deutschlands. 1975, Bd. 3, Großsteingrab Nr. 974)

Grabgeschichte(n) I: Von wilden Heiden und heidnischen Wilden

Früher wusste man nur wenig von den Vorfahren der Jungsteinzeit. Aber eines schien sicher, „roh und ungebildet“ waren sie, so glaubte auch Pastor Oldenburg (1773-1854), der im hiesigen Raum immerhin als einer der inbrünstigsten Verfechter gesetzlicher Großsteingrab-Unterschutzstellung bekannt geworden ist. Das Interesse an einer Aufklärung über die wahrhaft beachtlichen kulturellen Leistungen der Menschen der Jungsteinzeit war im 19. Jahrhundert augenscheinlich nur gering. Längst war die eigentliche Funktion der so genannten „Hünengräber“ enttarnt. Dennoch hielt man an der Stigmatisierung der vorchristlichen Ahnen weitgehend fest. In lustiger Runde frönten die vermeintlich wilden Heiden – so glaubte man - aus scheinbar abartigem Glauben heraus Menschen- und Tieropfern. Das formal an einen Tisch erinnernde Großsteingrab nahe Engelmannsbäke schien jene rohen Opfer-Sitten endgültig zu bestätigen. So war man sich sicher: Bei den rötlichen Flechten des dortigen Decksteins handelte es sich in Wahrheit um Blutspuren der bemeitleidenswerten Opfer. Dass auch im frühen 20. Jahrhundert jene Mythen fortlebten, bestätigt die Namensgebung des Großsteingrabes. Denn erst zu diesem Zeitpunkt wurde der bis heute geläufige, fehlleitende Name „Heidenopfertisch“ geboren.

Lithographie

„Heidenopfertisch“, Lithographie des Oldenburger Hofmalers
Ludwig Philipp Strack, 1827 (Stadtmuseum Oldenburg)

Grabgeschichte(n) II: Lieblingsmotiv der Romantiker

Der imposanten Monumentalität des erhaltenen Decksteins ist es zu danken, dass dieses vergleichsweise kleine Großsteingrab zu den meistabgebildeten Megalithgräbern der Region zu zählen ist. Spätestens seit der Romantik griff man dabei wiederholt zu stark idealisierenden Inszenierungen: Ganz im Sinne der für die Malerei und Graphik der Romantik bezeichnenden Suche nach dem „Erhabenen und Schauerlichen“ wuchs der „Heidenopfertisch“ in Ludwig Philipp Stracks bekannter Lithographie zu einem nachgerade monströsen urgeschichtlichen Mal empor. Seine Zeitgenossen nahmen daran wenig Anstoß. Wohl aber beklagten sie, dass der Künstler den „Heidenopfertisch“ in seiner Lithographie mit Bäumen umgab, obwohl in natura weit und breit lediglich niedrige Büsche zu erspähen seien.

So wenig authentisch Stracks realitätsferne Einbettung in eine Eichengruppe schon damals angemutet haben mag, sie entsprach vollends dem damaligen Zeitgeist: Im 19. Jahrhundert wurde die „deutsche Eiche“ zusehends häufiger in patriotischer Verklärung als ideale Ergänzung zu den vermeintlich „rein deutschen“ Großsteingräbern diskutiert. Vielerorts wurden Eichen-Anpflanzungen im Umfeld der jungsteinzeitlichen Grabstätten angeordnet. Dass die Errichtung von Großsteingräbern in keiner Weise ein rein deutscher, sondern – exakt gegenteilig – ein europaweiter Brauch war, ignorierte man dabei geflissentlich. Die scheinbar ursprüngliche heutige Harmonie von „Heidenopfertisch“ und Eiche trügt also gewaltig. Sie ist nichts anderes als ein Produkt des 19. Jahrhunderts.

Erhaltungszustand

Der etwa 8 bis 10 x ca. 2,5 m messende „Heidenopfertisch“ kann mit dem größten und schwersten erhaltenen Deckstein aller Großsteingräber um Wildeshausen brillieren: Bei einer Größe von etwa 5 x 3 m verfügt der relativ flache Deckstein über das beachtliche Gewicht von mehr als 40 Tonnen. Gestützt werden diese Massen von drei, zur Hälfte in Originallage verbliebenen Tragsteinpaaren. Direkt östlich sind weitere Tragsteine verblieben, doch ist deren Deckstein nur noch in Fragmenten sichtbar.

Noch vor Anfertigung der berühmten Lithographie des Oldenburger Hofmalers Ludwig Philipp Strack im Jahre 1827 fiel der östliche Deckstein einer Sprengung zum Opfer. Seither fristete er als Hausfundament sein Dasein.

Besuchen Sie auch folgende archäologische Sehenswürdigkeiten in der Nähe:

Großsteingräber „Visbeker Bräutigam“ (ca. 800 m)

Großsteingrab bei der Ostsiedlung Ahlhorn (ca. 2 km)

Großsteingräber „Ahlhorner Kellersteine“ (ca. 2,5 km)

„Visbeker Braut“ (ca. 2,5 km)